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Das Kind hat ein intuitives Ziel: Selbstentwicklung

„Weiterentwicklung der Oststadtschulen“

Stellungnahme der Erich-Kästner-Realschule Offenburg

Die Schulleitung und das Kollegium der Erich-Kästner-Realschule haben sich in den letzten Monaten intensiv mit dem Thema „Weiterentwicklung der Oststadtschulen“ beschäftigt und auch ihr pädagogisches Konzept/Profil  überdacht und geschärft.

Wir sind davon überzeugt, dass der momentane Prozess und auch das Ergebnis dieses Prozesses für die Erich-Kästner-Realschule in jedem Fall ein großer Gewinn und ein Weiterkommen sein wird und eine Professionalisierung unserer Arbeit möglich macht, zum Wohle der Kinder, die uns heute und zukünftig anvertraut werden. 

Unsere Schule sieht in den Varianten 1,2 und 4 keine Lösung. Die zu enge Bebauung und ein fehlendes, attraktives  Außengelände wären die Folge. Wir würden weiterhin die Enge spüren, unter der wir seit Jahren leiden. Unsere Kinder brauchen viel Bewegung, nicht nur in den Räumen, sondern auch draußen. Der einzige „Bolzplatz“, den es in der Oststadt gibt und der von den Kindern auch am Nachmittag in ihrer Freizeit genutzt wird, darf nicht wegfallen. Eine Weiterentwicklung in der Zukunft wäre für keine der Institutionen möglich, da dann kein „Reserve-Platz“ mehr vorhanden wäre. In unseren Augen braucht eine moderne Schule, die auch Ganztagsschule ist, nicht nur ein großzügiges Raumangebot im Inneren, sondern auch ein Außengelände mit Möglichkeiten der Bewegung und Entfaltung.

Variante 3 (Neubau für Buntes Haus und Anne Frank-Schule in der Schauenburgstr.) erscheint für die Erich-Kästner-Realschule attraktiv, da das jetzige Schulgebäude alleine von uns genutzt und dementsprechend sinnvoll umgebaut werden könnte. Auch das Außengelände bliebe zum Teil erhalten. Dennoch haben wir bei dieser Variante große Bedenken, wenn es um die Mensanutzung ginge, die sich dann in der Schauenburgstraße befinden würde. Zum einen würde es einen längeren Laufweg für die Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Realschule bedeuten, die das Schulgelände verlassen müssten. Wer würde diese Kinder begleiten und beaufsichtigen?  Wir zweifeln daran, dass die Aufsichtspflicht hier wirklich gewährt werden könnte. Auch möchten wir zu bedenken geben, dass die Prinz-Eugenstraße Weg für die Rettungsfahrzeuge zum Klinikum ist. Je nach Tageszeit ist auch ein hohes Verkehrsaufkommen zu beobachten, zusätzlich zu parkenden Autos, was ein sicheres Überqueren von vielen Kindern gefährlich macht.

Während der Mensanutzung würden sich die Realschüler dann auch noch auf dem begrenzten Gelände der Grundschule bzw. des „Bunten Hauses“ aufhalten. Es wäre sehr frequentiert, was sicher häufiger zu Konflikten zwischen Realschülern und Grundschülern führen würde.

Trotz des Baus einer weiteren Halle, müsste die Realschule gewährleistet bekommen, dass sie drei Sportgruppen gleichzeitig unterrichten könnte. Das heißt, auch die Zusicherung, die Sporthalle der Waldorfschule sinnvoll nutzen zu können.

Dies ist auch ein Grund, warum sich die Erich-Kästner-Realschule deutlich für die Variante 5, also den Umzug nach Zell-Weierbach, ausspricht.

Wir möchten in Zukunft eine „bewegte Schule“ sein. Unsere Schülerinnen und Schüler brauchen immer mehr einen Ausgleich zum alltäglichen kognitiven Unterricht in der Schule. Viele Kinder schaffen es kaum noch, sich längere Zeit zu konzentrieren und still zu sitzen. Andere wiederum bekommen nur in der Schule diese Bewegungsangebote, nicht aber in ihrer Freizeit. Gerade vielen Stadtkindern fehlt oft der Zugang zur Natur.

Wir möchten daher unser Sportprofil ausbauen und könnten uns eine enge Kooperation mit den Sportvereinen in Zell-Weierbach und/oder Rammersweier vorstellen. Nicht nur die große Turnhalle und der Fußballplatz in Schulnähe würde uns mehr Spielraum in der Alltagsgestaltung ermöglichen, auch das Außengelände und die nahe Natur wollen wir dazu nutzen. Dazu gehören Lerngänge in die umliegende Natur, eine Mountainbike-AG, ein „Grünes Klassenzimmer“ und wie bereits genannt eine enge Kooperation zu den Sportvereinen. In der Oststadt besteht die Möglichkeit nur begrenzt, sich in diesem Bereich zu vernetzen.

Weiter möchten wir, wenn auch räumlich mehr Platz vorhanden ist, unser musisch-künstlerisches Profil schärfen. Auch hier stellen wir uns eine Kooperation mit den Vereinen vor. Wunsch ist es, eine Bläserklasse oder eine Keyboard-Klasse zu installieren. Gerne möchten wir hierzu auch die Weingartengrundschule mit ins Boot holen, die bereits eine Bläserklasse hat. Wir möchten ein passendes Konzept entwickeln, das an das der Grundschule anknüpft. Wir stellen uns solche Kooperationen nicht nur für die Erich-Kästner-Realschule als gewinnbringend vor, sondern auch für die Ortsteile selbst.

Auch glauben wir, durch solche Angebote, Schülerinnen und Schüler zurückgewinnen zu können, die zuletzt, trotz Empfehlung für die Realschule, ein Gymnasium besuchen. Viele kommen nach zwei oder drei Jahren an die Realschule zurück und haben nur Misserfolg und Frust erlebt. Es ist eine Herausforderung, diese Kinder aufzufangen und wieder für das Lernen

zu motivieren.  Dies ist nicht nur ein Problem der Schule. Auch die derzeitige Ausbildungslage in Offenburg und Umgebung zeigt dies. Viele Lehrstellen bleiben momentan offen oder Lehren werden im ersten Lehrjahr wieder abgebrochen. Die Realschule sieht ihre Aufgabe in erster Linie darin, Schülerinnen und Schüler auf einen erfolgreichen Realschulabschluss vorzubereiten, um ihnen den Weg ins „Duale System“ zu ermöglichen. Hierzu braucht es die Stärkung der Realschule auch von Seiten des Schulträgers, damit sie gegenüber den Gymnasien wettbewerbsfähig sein können. Ein „Aufblähen“ der Gymnasien, wie wir es in den vergangenen Jahren erlebt haben, ist nicht im Sinne der Kinder.

Natürlich sind wir uns dennoch bewusst, dass wir allen Kindern, die bei uns angemeldet werden, gerecht werden müssen und wollen. Wir erleben eine große Heterogenität, die ein anderes Arbeiten und damit verbunden auch ein anderes Raumkonzept nötig macht.

Allerdings können wir die Befürchtung nicht teilen, dass ein Umzug nach Zell-Weierbach, bestimmten Kindern, vor allem aus bildungsfernen  Schichten, zum Nachteil werden könnte. Die Angst, diese Kinder würden dann nicht mit nach Zeill-Weierbach mitkommen, eine Theodor-Heuss- Realschule füllen und deren Arbeit erschweren, ist in unseren Augen nicht begründet. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Schülerinnen und Schüler in unserer Schule verwurzelt sind und beobachten, dass sich dies auf die Geschwisterkinder überträgt. Diese Familien wählen die Erich-Kästner-Realschule und nicht einen Standort! Auch haben wir hier in Offenburg eine Vielfalt an Schulen, die verstanden haben, dass wir uns alle eng vernetzen und zusammenarbeiten müssen. Wir erleben ein langsames Umdenken der Eltern, dass die Wahl einer Sekundarschule nicht vom gewünschten Schulabschluss oder Wohnortsnähe abhängig ist, sondern vom momentanen Entwicklungsstand des Kindes. Dass wir in Offenburg noch zwei gut funktionierende Werkrealschulen haben, ist in unseren Augen für die Offenburger Bildungslandschaft ein großes Glück. 

Unabhängig vom Standort ist uns die Zusammenarbeit mit dem „Bunten Haus“ auch in Zukunft wichtig und auch von deren Seite gewünscht. Wir wollen die gemeinsamen Projekte wie „Rotes Sofa- Jugend trifft Politik“, „Sexualpädagogik“ und die Kooperation im Bereich „Soziale Gruppenarbeit“, „Schulsozialarbeit“, „Ganztag“, „Runder Tisch im Sozialraum“ usw. beibehalten. Allerdings braucht es dazu keine räumliche Nähe, denn die genannten Dinge finden unmittelbar in der Schule statt.

Auch die bereits bestehenden Kooperationen mit außerschulischen Partnern (Kunstschule Offenburg, Firma Hiwin, Stadtbücherei Offenburg, VCO)  könnte ohne Probleme weitergeführt werden und sind nicht vom Standort abhängig.

Ein mögliches Problem, das oft genannt wird, ist die befürchtete Verschärfung des Verkehrsaufkommens in Zell-Weierbach. Es ist uns wichtig, dass unsere Schüler möglichst schnell lernen, dass man nicht mit dem Auto in die Schule kommt, sondern mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Bus. Dies passt auch zu dem Profil einer Schule, die sich „bewegte Schule“ nennen möchte, die besonders die Leitperspektiven des Bildungsplans Demokratiebildung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz vermittelt und leben möchte. Es ist daher kein Widerspruch, wenn man nicht direkt vor die Schule gefahren wird, sondern noch ein paar Schritte laufen muss. Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe sind unabhängiger und selbstständiger, sie werden in der Regel nur noch zu Beginn von Klasse 5 von den Eltern gefahren, wenn überhaupt.

Sehr gerne sind wir bereit, unsere Fachräume auch mit der Weingartenschule und Hector-Kinderakademie zu teilen. Eine enge Vernetzung der Schulen insgesamt erscheint uns für alle gewinnbringend.

Sabina Wadenpohl                                Achim Ullrich

(Realschulrektorin)                                (Realschulkonrektor)

Diese Stellungnahme wurde dem Kollegium der Erich-Kästner-Realschule vorgelegt und von den Kolleginnen und Kollegen einstimmig befürwortet.